Page 6 - Wangerland Flaschenpost 2 2023
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#DIGITALISIERUNG
digitale Besucherlenkung
Kein Stau mehr am Strand
Ein neues System ermöglicht es, in Echtzeit zu gucken, wo es an der Küste gerade wie
voll ist. Wer will, kann sich danach richten und einen leereren Strandabschnitt ansteuern.
er öfter an die Nordsee kommt, verteilt sich die Besuchermenge insge- und Wege hin zu den Stränden waren
W an die Strände von Hooksiel samt besser. Denn wer genau weiß, dass zugeparkt. Verständlich, denn die Leute
oder Schillig im Wangerland zum Bei- ein Strandabschnitt oder Parkplatz schon wollten einfach nur raus, an die frische
spiel, dem wird die Veränderung sicher ziemlich voll ist, geht vielleicht lieber Luft. Sie kamen zu Hunderten und Tau-
auffallen: An Strandzugängen und Park- dorthin, wo es etwas leerer ist. In den senden auch aus weiteren Regionen
plätzen stehen hohe, mit Sonnenkollek- nächsten Ort zum Beispiel, ins Meer- an die Küste, parkten, wo es gerade so
toren versehene Stelen, obendrauf eine wasser-Hallenwellenbad, oder in die ging und liefen über den Deich an die
kleine Kamera. Die Sonnenkollektoren Bücherei. Abrufbar sind die Daten über See. Die Ordnungsämter sahen das nicht
versorgen die Kameras mit Strom, die die Webseiten der einzelnen Orte, über gern, schließlich galten strenge Ab-
wiederum in Echtzeit Bilder liefern von einen digitalen Reiseführer (Web-App) standsregeln. Schließlich wurden sogar
den Strandabschnitten oder Parkplät- oder über digitale Informationsstelen in vereinzelt Zufahrten zu Strandparkplät-
zen. Keine scharfen Fotos wohlgemerkt, den Orten selbst. zen geschlossen.
eher eine Art schemenhafter Umrisse
von Autos und Menschen. Der Daten- Das System hat bereits Erfolg: „Die Zah- Doch Gäste abwehren ist in einer tou-
schutz ist stets gewährleistet. len belegen das, was wir vor Ort deut- ristischen Region keine gute Lösung.
lich spüren: Seit Einführung des Systems Die Touristiker dachten also über Wege
Die Kameras sind Teil verteilen sich die Gäste gleichmäßig nach, wie Überfüllungen künftig ver-
eines Systems, mit auf die touristisch relevanten Ange- mieden werden könnten. Und das ist
dem die Touristiker an bote vor Ort“, sagt Sonja Janßen, Ge- auch in pandemiefreien Zeiten eine
der niedersächsischen schäftsführerin der Nordsee GmbH, gute Idee, denn volle Strandabschnitte
Nordseeküste neue einer Dachmarketingorganisation der sind in der Saison keine Seltenheit. Au-
Wege gehen. Denn niedersächsischen Nordseeregion. Lan- ßerdem: Auch das Hinterland ist attraktiv
die Daten sind in Form ge Wartezeiten oder volle Parkplätze für Urlauber. Es gibt hübsche Städtchen
einer Ampel in Echt- könnten nun vermieden werden. „Ein zu besichtigen oder auch angesagte
zeit für alle abrufbar: weiterer erfreulicher Aspekt ist, dass Restaurants zu entdecken. Man muss es
Leuchtet die Ampel vorher weniger besuchte Orte seit Start nur wissen.
rot, ist die Auslas- der Besucherlenkung ein deutlich hö-
tungsgrenze erreicht. heres Besucheraufkommen zeigen, was
Den Gästen werden zu höheren Umsätzen bei den dortigen
dann Alternativen Leistungsträgern führt“, so Jan-
angezeigt. Die Idee: ßen weiter. Es sei also genau das
Wenn alle stets se- eingetreten, was man sich erhofft
hen können, wie hatte: Die Entzerrung touristischer
gut besucht es dort Hotspots und ein Durchbruch für
gerade ist, wo sie bisher unentdeckte Ausflugsziele
gerade hinge- abseits der direkten Küste.
hen wollen, Seinen Ursprung hat das digitale
System zur Besucherlenkung übri-
gens in der Corona-Pandemie. In Neugierig geworden?
der ersten Zeit mit den vielen Be- Jetzt aktuelle Auslastung im
schränkungen erlebten die digitalen Reiseführer entdecken:
Diese Säulen liefern Küsten einen massiven Be-
die Daten für die sucheransturm. Strandpark-
Besucherlenkung. plätze waren vollkommen
überfüllt, auch die Straßen
6 Flaschenpost — Gästezeitung 02/23